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Kirchliche Chronik von Visselhövede


Ein geraffter Rückblick in die Geschichte,
zum größten Teil zusammengestellt
von Wolf-Diethard Friese, Bomlitz ( (c) 2000)

In Visselhövede ging es in den vergangenen Jahrhunderten richtig international zu, das gilt für die Herrschaftsverhältnisse und für die kriegerischen Auseinandersetzungen. So war der Ort zeitweilig unter schwedischer, dänischer, französischer und hannoversch-britischer und preußischer Oberhoheit.
Wann der eigentliche Ort entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr genau ermitteln, doch dürfte dies wahrscheinlich erst im oder nach dem 9. Jahrhundert n.Chr. geschehen sein. Dies war die Zeit fränkischer Herrschaft in Germanien, die, nachdem die Römer und Alemannen besiegt und teilweise vertrieben waren, der heidnischen Bevölkerung auch das Christentum brachte.

785 verfügt Karl der Große, dass im Sachsenland in jedem „Cent“ oder „Go“ eine Kirche entstehen soll; Die Bekehrung der Sachsen bedeutet für den Kirchbau der Lüneburger Heide: Über alten heidnischen Opferstätten entstehen Holzkirchen, beispielsweise an Quellheiligtümern die vielen Taufkirchen, die meist nach Johannes dem Täufer benannt sind.
985 985 verlieh Otto III. dem Bischof Erp von Verden das Markt- und Münzrecht und die Grafen- oder richterliche Gewalt über diejenigen, die auf bischöflichen Höfen wohnten. Dann bestellte der Bischof die so genannten Vögte; solche bischöflichen Beamten waren in Verden, Scheeßel, Sottrum, Schneverdingen und Visselhövede eingesetzt.
1184 wird Visselhövede zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bischof war damals Ditmar II. In der Urkunde erscheint der Name als „Wisselhovede“.
Die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Visselhövede findet sich im Jahre 1184. Damals dürfte es sich um einen Holzbau gehandelt haben, dessen Ursprünge vermutlich bis in das 7./8. Jahrhundert zurückreichen, als Karl der Große die Sachsen christianisieren ließ.
1189 Die Gografschaft wechselt den Besitzer. Der Kaiser übergab sie Bernhard I. von Askanien, einem Sohn Albrecht des Bären. Dieser verpfändet die Gografschaft, die höhere Gerichtsbarkeit, den Blutbann, an den Bischof Rudolph I. in Verden.
1200 war die Gografschaft Visselhövede im Besitz des Herzogs Heinrich des Löwen.
1258 Den ersten schriftlichen Nachweis des Ortes finden wir in einer Urkunde von 1258, in der „Vislehovede“ zum ersten Mal erwähnt wird; anlässlich einer Schenkung zum Unterhalt der Beleuchtung (Kienfackeln) in der Kirche. Diese Urkunde bestätigt somit den Zusammenhang mit der Stiftung des Zehnten eines Hofes in Heelsen für die Kirche in Visselhövede.;
1288 kam die Gografschaft Visselhövede durch die Schenkung von Herzog Albrecht II. von Sachsen an den Bischof Konrad von Verden unter dessen Herrschaftsbereich. Konrad starb am 15. September 1300 und war einer der bedeutendsten Bischöfe von Verden.
1345 wird Kettenburg als Wasserburg errichtet.
1358 Eine kleine Holzkirche und später die in Feldsteinen errichtete gotische Kirche dürfte auf einer heidnischen Kultstätte ihren Platz gefunden haben, nahe der Visselquelle gelegen. Die Weihe eines massiven Kirchbaues ist aus diesem Jahr überliefert.
1432 brandschatzten die Grafen Johann und Otto von Hoya die Kirchspiele Visselhövede und Neuenkirchen.
1450 wird Visselhövede wegen der Brandschatzung befestigt und erhält durch den Bischof von Verden, Johann von Atzel, die Weichbildgerechtigkeit (Stadtrechte) und wird ein Flecken mit Marktrechten und gehörte auch zeitweilig zum Herrschaftsbereich des Bischof von Galen.
1567  Im Zuge der Reformation wurde an Stelle des katholischen Bischofs ein Protestant eingesetzt. Dadurch erhielt Visselhövede einen evangelischen Pastor.
1576 Einigung über den Grenzverlauf zwischen dem Bistum Verden und dem Herzogtum Lüneburg.
1581 Bischof Eberhard von Holle verlieh Visselhövede Wappen und Siegel.

1618
 bis
1648

tobte der dreißigjährige Krieg über das Land. Erneut versuchte 1626 ein katholischer Bischof die Menschen zum katholischen Glauben zu bewegen.
1630 war Franz Wilhelm Graf von Wartenberg Bischof in Verden.
1631 Pater Johannes Arnoldi, am 24. Juni 1596 in Warburg /Westfalen geboren, wurde nach dem Besuch der Elementarschule in Warburg Jesuiten-Pater. Ostern 1623 erhielt er die Priesterweihe. Nach einer Zwischenstation kam Pater Arnoldi etwa um 1630 in das Bistum Verden. (Zum Bistum gehörte die Gegend zwischen Verden und Lüneburg). Seit dem Jahr 1568 ist das Bistum evangelisch. Aber als die Gegend vom Katholiken und Militärbefehlshaber Tilly besetzt wurde, rief man die Jesuiten. Es war nicht leicht, die Pfarreien mit katholischen Geistlichen zu besetzen. Die neuen Geistlichen hatten überall mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach der Absetzung des protestantischen Predigers im Mai 1630 wurde Pater Arnoldi die Verwaltung von drei Pfarreien übertragen. Es waren die Kirchspiele Visselhövede, Neuenkirchen und Schneverdingen. Seine Lieblingspfarrei war Visselhövede. Von Norden zog der Schwedenkönig Gustav Adolf ins Land und verdrängte alle katholischen Priester. Am Martinstag 1631 hatte Pater Arnoldi noch einmal Messe gefeiert und die Bauern in seiner Predigt zur Standfestigkeit im Glauben aufgerufen. Nach dem Gottesdienst wollte er nach Verden. In Nindorf stürzten zwei bewaffnete Bauern auf ihn zu und schlugen ihn, banden ihn an einen Baum und schnitten ihm die Kehle durch. Die Gegend heißt auch heute noch „Nindorf-Paterbusch“
1631 Diese Zeit hat mit der Ermordung des Jesuitenpaters Arnoldi sein Ende gefunden. Ob die Leiche in der Johanniskirche in Visselhövede begraben wurde oder ob sie im Paterbusch verscharrt wurde, ist nicht mehr ergründbar, da bei einem Brand 1795 alle Kirchenbücher vernichtet worden sind.
1641 Von der Kirchenausstattung sind vor allem eine reich geschnitzte sechseckige Kanzel aus diesem Jahr, ein Geschenk des Küsters Matthäi, der Barockaltar (1771), eine frühgotische hölzerne Taufschale (18. Jahrhundert) und ein steinernes Taufbecken (ältestes Stück aus Sandstein) bemerkenswert und bis heute nach Renovierungsarbeiten (1963 und 1974) noch im Dienst der Johanniskirche.
1645 Danach zogen feindliche Soldaten durch das Land, mit Brandschatzung und Plünderungen bis 1648, dem Ende des dreißigjährigen Krieges.
1648 das Bistum Verden wird aufgelöst und als neues Herzogtum Verden an Schweden angegliedert; Visselhövede wird schwedisch.
1712 gehörte diese Gegend zur Oberhoheit der dänischen Krone.
1719 kam es nach langwierigen Verhandlungen mit Dänemark zum Besitztum des hannoverschen Kurfürsten Georg Ludwig, der gleichzeitig König von Großbritannien war.
1757 gehen die Franzosen barbarisch mit den Visselhövedern um.
1776 werden einheimische Soldaten von England für die amerikanischen Unabhängigkeitskriege gekauft. Etwa 100 Jahre später gibt es ein amerikanisches Visselhövede.
1799 Nach einem Brand erfolgt die Errichtung des hölzernen Glockenturms vor der Johanniskirche wie in seiner heutigen Form.
1824 wird diese Gegend dem Bistum Hildesheim zugeordnet.
1852 begegnet Freiherr Kuno von Kettenburg in Mainz dem großen Sozialbischof v. Ketteler. Dieses führt zur Konversion des Barons und seiner Familie zum katholischen Glauben. Bis 1867 hat das Schloss einen eigenen Pastor, der auch die Enklave Soltau mit verwaltet.
1867 So kam 1867, rund 235 Jahre nach dem Tod von Pater Arnoldi, wieder ein katholischer Priester in diese Gegend.
1875
 bis
1878
wird das Schloss in Kettenburg mit Schlosskapelle gebaut. Die nächst gelegenen Kapellen waren in Celle, Verden und Uelzen. Der Name der Schlosskapelle:
„Herz – Jesu – Kettenburg“
1909 hat Visselhövede 1938 Einwohner.
1909
 bis
1945
(Nazizeit mit allen Schikanen und Gefahren) werden viele Menschen und später auch Kriegsgefangene zu Arbeitseinsätzen nach Visselhövede gebracht.
1939 wird Visselhövede Stadt

1941

wird Clemens Echelmeyer, ein Pfarrer aus Münster, von den Nationalsozialisten nach Visselhövede in die Verbannung geschickt. Hier hält er bis 1949 in der Kapelle auf Gut Kettenburg die Messen ab und sammelt in schwierigen Zeiten die katholische Gemeinde um sich.
1942 richten sich die wenigen katholischen Christen in einem kleinen Fabrikhaus in der Lindenstraße eine Notkapelle ein. Betreut werden sie von Pfarrer Hardt.
1945 Noch in den letzten Kriegstagen mussten 50 junge Soldaten ihr Leben lassen und 60 Häuser wurden zerstört.
1947 wird das Stadtwappen vom Staatsarchiv Hannover bemängelt. Die Stadt erhielt nun ein schlichteres Wappen. „Das Kreuz blieb bestehen und in der Mitte ist nun der Kopf von Johannes der Täufer in einer goldenen Schüssel zu sehen“.
1954 starb Kuno Freiherr von der Kettenburg. Das Gut Kettenburg fiel an seine Tochter Marina Gräfin von Nesselrode, geboren 1921. Sie starb 1974, ihr Ehemann Hermann Graf von Nesselrode 1987.
1960 Das Schloss in Kettenburg ist verfallen und wird abgerissen.
1965 Grundsteinlegung für den Bau einerkatholischen Kirche mit Jugendheim in Visselhövede
1966 Weihe der "Herz – Jesu Kirche am 21. Mai von Bischof Heinrich Maria Janssen aus Hildesheim.
1969 Am 30. Juni 1969 gründet die Stadt Visselhövede mit den 14 umliegenden Dörfern eine Samtgemeinde. Am 1.4.1974 wird die Gemeindereform abgeschlossen. (Religionszugehörigkeit: ev. = 94,9 %, kath. = 3,3 % und sonstige = 1,8%)
1972 Visselhövede wird Garnisonstadt.
1974 Gebietsreform. Zu Visselhövede gehören zukünftig die Ortschaften Bleckwedel, Buchholz, Dreeßel, Drögenbostel, Hidddingen, Jeddingen, Kettenburg, Lüdingen, Nindorf, Ottingen, Rosebruch, Schwitschen, Wehnsen und Wittorf.
1981 wird im freistehenden Kirchturm, der Herz – Jesu Kirche in Visselhövede, am 18. November, aus Anlass des 350. Todestages von Pater Johannes Arnoldi, eine Gedenkstätte eingeweiht.
1983 Glockenweihe an der Herz – Jesu Kirche in Visselhövede.
1991 Die Herz – Jesu Kirche in Visselhövede ist 25 Jahre alt geworden. Das Kirchweihfest wird mit einer Festwoche begangen.
1995 wird die neue Orgel geweiht.
1997 feiert der katholische Pfarrer i.R. Paul Herrmann sein diamantenes Priesterjubiläum. Bereits 1987 wurde sein goldenes Priesterjubiläum gefeiert.
2004 Am 1. August werden die Gemeinden Heilig Geist Bomlitz-Benefeld mit Herz-Jesu Visselhövede, St. Maria von hl. Rosenkranz zu Walsrode mit etwa 30 Dörfern sowie St. Maria von den sieben Schmerzen zu Bad Fallingbostel mit umliegenden Dörfern zusammengeführt.
2006 Am 14. Oktober wird der 375 Todestag Pater Johannes Arnoldi in der Herz-Jesu Kirche Visselhövede gefeiert.
2006 Ebenfalls am 14. Oktober überreicht Constantin Freiherr van Heereman von Zuydtwyck aus Surenburg einen aufgearbeiteten und mit einer Inschrift versehenen Kelch aus seiner Gutskapelle als Dankgabe und Erinnerung an Pfarrer Clemens Echelmeyer, der während seiner Verbannung nach Visselhövede von 1941 bis 1949 in der Gutskapelle in Kettenburg Messen gehalten hat.
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