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Fronleichnam

Im Rahmen der Seelsorgeeinheit feiern bereits seit vielen Jahren die Gemeinden Walsrode, Bad Fallingbostel, Bomlitz-Benefeld und Visselhövede gemeinsam das Fronleichnamsfest. Im Wechsel ist jedes Jahr eine der vier Gemeinden für die Ausrichtung dieser Feier zuständig.

 - Foto: Erika Drotschmann -
Heilige Messe
zu Fronleichnam
am 26. Juni 2011
mit anschließender Prozession
in Walsrode

 

Der Feiertag fällt jeweils auf den Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, oder wenn man von Pfingsten her rechnet, auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Wo es nicht möglich ist, das Fest an diesem Tag zu feiern, wird der nachfolgende Sonntag gewählt. So auch in unserer Kirchengemeinde Sankt Maria.

 

Der Name stammt vom mittelhochdeutschen „vronlichnam“, die göttliche Hülle des Leibes. Mit der Wahl des Donnerstag wird eindeutig Bezug genommen auf den Gründonnerstag und das Letzte Abendmahl Jesu, womit das Geheimnis der Erlösung in der Anwesenheit Christi in der Eucharistie gemeint ist. Durch Jesu Tod am Kreuz legte er den Grund zum Neuen Bund der Versöhnung. Nachdem das Geheimnis der Auferstehung mit dem Erreichen des Pfingstfestes einen besonderen Höhepunkt erlebte, gedenken wir an Fronleichnam nochmals mit besonderer Aufmerksamkeit und in Dankbarkeit dessen, was der Herr beim Letzten Abendmahl für uns getan hat. Wir blicken auf Jesus, den Messias, unser Mittler bei Gott.

 - Foto: Erika Drotschmann -
Der Visselhöveder Altar

Der wichtigste Teil der Fronleichnamsliturgie ist die Heilige Messe des Tages, die in Lesungen und Gebeten das Geheimnis der Eucharistie umkreist. Vielerorts wird diese Messe im Freien gefeiert.

 

 - Foto: Erika  Drotschmann -
Heilige Messe - 26. Juni 2011

Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich.

Es war im Jahr 1202 in einem Kloster in der Nähe der Stadt Lüttich in Belgien. Mitten unter den Nonnen lebte ein neunjähriges Mädchen namens Juliana, deren Eltern gestorben waren. Eine Schwester nahm das Mädchen unter ihre Obhut. Sie wuchs im Kloster auf und half so gut sie konnte. Sie unterhielt sich oft mit den Schwestern und lernte Latein, Lesen und Schreiben. Juliana hatte ein glänzendes Gedächtnis und behielt besonders gut, was sie über die hl. Eucharistie las und konnte stundenlang vor dem Tabernakel beten. Mit 14 Jahren durfte sie in das Kloster eintreten. Jeder Kommuniontag, und die waren damals selten, war für sie ein Festtag. Mit 16 hatte sie eine seltsame Erscheinung. Sie sah in der Kirche, mitten am Tag, den Vollmond mit einem schwarzen Fleck. Als ob ein Stück aus dem Mond heraus gebrochen wäre. Sie deutete das so, dass unter den vielen Festen des Kirchenjahres das Fest von der Verehrung des Leibes und Blutes Christi, durch den Fleck symbolisiert, fehlen würde. Mit 37 Jahren wurde sie zur Oberin des Klosters gewählt und erzählte auch anderen von ihrer Erscheinung. Man lachte sie aus und fast alle Mitschwestern stellten sich gegen sie. So musste Juliana das Kloster verlassen und wurde vertrieben, jedoch der Gedanke an ein neues Fest ließ sich nicht vertreiben.
So wurde im Jahre 1246 in der Kirche St. Martin zu Lüttich das erste Fronleichnamsfest gefeiert. 1258 starb Juliana. … Im gleichen Jahr wurde Jakob von Troyer aus Lüttich zum Papst gewählt, der Juliana noch persönlich kannte. Als Papst Urban IV führte er im Jahre 1264 das Fest von der Verehrung des Leibes und Blutes Christi für die ganze Kirche ein.

Die erste Prozession entstand 1277 in Deutschland und fand in Köln statt. Vorbild waren verschiedene Flur- und Stadtumgänge. In die Ausgestaltung des Festes sind vor allem Elemente deutscher, ja altgermanischer Frömmigkeitsgeschichte eingegangen. Das Fest, vor allem die Prozession, bringt zum Ausdruck, dass Jesus mit seinem Volk zieht, dass er in der Kirche Gottes anwesend ist. Seit dem 13. Jahrhundert tragen die Gläubigen am Fronleichnamstag ihren wertvollsten Besitz durch die Straßen: das Allerheiligste, die geweihte Hostie.

 

 - Foto: Erika Drotschmann -
Prozession – 26. Juni 2011

 

Zu dieser Prozession wird die Hostie, für alle sichtbar, auf einer Mondsichel befestigt und in ein goldenes, kunstvolles Zeigegefäß, das als Monstranz bezeichnet wird, gelegt. Dechant Siegmund Bulla und Pfarrer Xavier Kandankary tragen abwechselnd die Monstranz durch die Straßen der Ortschaft. Die Prozession unterteilt sich in vier Stationen, durch vier mit Blumen geschmückte Altäre dargestellt. Bei jeder der vier Stationen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren, erfolgt eine Evangelienlesung, ein Gebet und der eucharistische Segen. Sinn der Prozession ist, sich auf den Weg zu machen an einen Ort, der sich dazu eignet, Gottes Anwesenheit in dieser Welt zu überdenken und um seinen Segen zu bitten.

Folgendes kann man zu Fronleichnam bedenken (Kardinal J. Ratzinger)

Vieles ist wichtig. Vieles ist nötig. Aber drei Dinge sind es vor allem, auf die es ankommt: Das gemeinsame Stehen vor dem Herren, das Gehen mit dem Herren und das Knien bei dem Herren.

Das gemeinsame Stehen vor dem Herrn:
In der alten Kirche gab es dafür die Ausdrücke „statio“ und „communio“. Immer ist der Mensch auf Achse und auf Hochtouren. Kaum etwas kann ihn stoppen. Doch jeder weiß: Kein Mensch hält das auf Dauer aus. Nach Zeiten der Anspannung müssen Zeiten der Entspannung folgen. Zeiten, in denen man die Hände in den Schoß legen kann.
An Fronleichnam werden wir gebeten, mal vor Gott stehen zu bleiben, die Hände zu falten und inne zu halten. Jesus lädt uns ein, bei ihm auszuruhen. Wir stehen vor Gott und tanken auf. Er erfüllt uns mit seiner Kraft. Das wäre also die Statio verbunden mit der Communio. Communio meint, dass wir hier nicht als Einzelne stehen, sondern als Gemeinde Christi, als Menschen, die bei aller Verschiedenheit eine Gemeinschaft bilden möchten. Wir haben ein gemeinsames Anliegen, nämlich Gottesdienst zu feiern. Hier zählt nicht der Beruf, die Stellung in der Gesellschaft, Reichtum. Vor Gott sind alle gleich. Jeder einzelne ist wichtig, aber auch die Gemeinschaft als Ganzes. Aus dem bloßen Nebeneinander wird ein Miteinander, eine Bewegung aufeinander zu.

 

Gehen mit dem Herrn:
Wenn man ein Stück des Weges gemeinsam geht, in einer Gruppe, dann ist man aufeinander angewiesen. Christ sein heißt, auf dem Weg zu sein. Gegenseitige Rücksichtnahme, Stützung der Schwachen, zügeln der Kraftvollen, führen und geführt werden, Grenzen überschreiten und dabei miteinander vorankommen. Wir lassen uns nicht von irgendjemandem führen, sondern von dem Herrn. Wir wissen, wenn wir ihn sehen, dann stimmt die Richtung.

Knien vor dem Herrn:
An Fronleichnam zeigen wir aller Welt, dass wir Gott anbeten. Wir beugen sichtbar und immer wieder die Knie vor dem, der für uns Brot des Lebens ist. Betend empfangen wir den Segen Gottes an Fronleichnam gleich viermal. Auf vieles können wir verzichten. Auf vieles müssen wir vielleicht in Zukunft verzichten, ob wir wollen oder nicht. Die Zeit, die Umstände, die neue Wirklichkeit zwingt uns dazu. Auf eines aber sollten wir nicht verzichten, das Knien vor dem Herrn.

Solange wir als Gemeinschaft vor Gott stehen, unseren Weg mit ihm gehen und solange wir vor ihm betend niederknien, solange wird unsere Gegenwart gesegnet sein.


Mehr Fotos zu Fronleichnam am 29. Mai 2005 in Visselhövede hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 18. Juni 2006 in Bomlitz-Benefeld hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 10. Juni 2007 in Walsrode hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 25. Mai 2008 in Bad Fallingbostel hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 14. Juni 2009 in Visselhövede hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 06. Juni 2010 in Bomlitz-Benefeld hier:

Mehr Fotos zu Fronleichnam am 26. Juni 2011 in Walsrode hier:

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